Die Kunstsammlung des Ferdinand Robert-Tornow

Mehr als eine Ergänzung der selbst zusammengetragenen Kunstschätze war für Kronprinzessin Victoria die Erbschaft der kompletten Sammlung des Berliner Kunstliebhabers Ferdinand Robert-Tornow (1812 – 1875).
Victoria lernte den Berliner Sammler aus begütertem Hause im Jahr 1873 kennen. Dieser hatte im Laufe von etwa 30 Jahren an die 1.500 Objekte zusammengetragen, mit denen sein Haus in der Berliner Johannisstraße ausgestattet war.

Trinkgefäß in Form eines Hirsches (Mitte 17.Jh.) aus der Kunstsammlung der Kaiserin Im Rahmen der Ausstellung wird ein bedeutender Ausschnitt dieser umfassenden Sammlung gezeigt. Beispielhaft werden Objekte präsentiert, die ein Licht auf die Qualität und die Vielseitigkeit der Sammlung werfen. So besaß Robert-Tornow Stücke aus allen klassischen kunstgewerblichen Objektgruppen: Silbergerät, Steinzeug, Bleiabgüsse, Gläser etc.. In diesen Abteilungen, deren Güte aus dem allgemein hohen Niveau der Einzelstücke resultiert, befinden sich Schätze, die heute überaus selten oder qualitativ herausragend sind. Insgesamt 56 Stücke werden in der Ausstellung gezeigt und im Katalog ausführlich beschrieben. Darunter befindet sich auch ein „Trinkgefäß in Form eines liegenden Hirschen“. Diese Arbeit eines süddeutschen Silberschmiedes aus der Mitte des 17. Jahrhunderts war sowohl als Tafelzier wie auch als sogenanntes „Trinkspiel“ zu verwenden. Dazu bediente man sich des kleinen Loches in der Mitte des Halses, aus dem man den Wein im Strahl herausgießen konnte.

Armlehnsessel, Berlin um 1750, aus der Sammlung Robert- Tornow Es war zu Lebzeiten Robert-Tornows nicht einfach, Zugang zu seinem „Museum“ zu bekommen, denn der etwas verschrobene Connaisseur hasste es, „zwecklos Neugierige“ zu empfangen. Die Besuche des Kronprinzenpaares müssen aber sowohl für den Sammler als auch für Victoria und Friedrich Wilhelm ein Erlebnis gewesen sein. Jedenfalls war Robert-Tornow von der Kennerschaft der Kronprinzessin so hingerissen, dass er sie als Erbin seiner Sammlung einsetzte.

Da er im Falle eines Vermächtnisses an ein Museum befürchten musste, dass sein Werk über die verschiedenen Fachabteilungen verstreut und schließlich untergehen würde, hatte er nach einer kunstinteressierten und zugleich wohlhabenden Persönlichkeit gesucht, die seine Sammlung als Ganzes zusammenhalten würde und nicht irgendwann aus Geldnot versteigern lassen müsste.

Im September 1875 starb Ferdinand Robert-Tornow und überraschte Victoria mit seinem Vermächtnis. Auf Wunsch des Kronprinzenpaares wurde die Sammlung von Julius Lessing, dem damaligen Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums katalogisiert, und jedes Objekt wurde mit der Chiffre RT und einer Inventarnummer versehen.
Von den insgesamt 1.260 Katalognummern sind heute noch 567 in den Sammlungen der Hessischen Hausstiftung zu identifizieren.

In Ausstellung und Katalog nimmt die Sammlung Robert-Tornow einen eigenen Abschnitt ein und beleuchtet die Kronprinzessin als Persönlichkeit in der Berliner Szene aus Museen, Kunstsammlern und -liebhabern.



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